DVD-Veröffentlichung mit Herz

"Mara und der Feuerbringer": Von Anekdoten, Herzblut und Deutschlands Familienfilmproblemen

Es war ein ungewöhnliches Ereignis im April 2015: Ein Fantasy-Film aus deutscher Produktion startete im Kino. Die Presse war zu weiten Teilen begeistert von "Mara und der Feuerbringer", die Reaktionen der Kinogänger mehrheitlich positiv. Nur gab es derer nicht viele: Mit gut 33.000 Besuchern war "Mara" kein Erfolg. Regisseur Tommy Krappweis versuchte nun mit einem dreitägigen Mara-Event zum Heimkinostart des Films für Aufmerksamkeit zu sorgen - und für Klärung.

Im Süden Münchens, unauffällig und versteckt hinter dem Gutshof Menterschwaige, befindet sich die bumm film GmbH - das Film- und Synchronstudio, das hauptverantwortlich ist für "Bernd das Brot". Dessen Erfinder, Tommy Krappweis, hat neben dem griesgrämigen Kastenbrot mit Hang zu Depressionen jedoch auch mehrere andere Projekte am Start. Das größte davon ist "Mara und der Feuerbringer", seine Buchtrilogie für junge Jugendliche. Bei der Verfilmung übernahm er dann sowohl Drehbuch als auch Regie - Hattrick!

Um für den Film noch einmal um Aufmerksamkeit zu trommeln, organisierte Krappweis nun in jenen Studios ein dreitägiges Release-Event. Schon zuvor gab es immer wieder kleine Auftritte und Veranstaltungen bei Mittelalterfesten oder in ausgewählten Kinos, weitere sind denkbar. Diesmal war es jedoch etwas größer: Im Innenhof gab es ein Germanenlager inklusive Schaukampf und Musikvideodreh für die Kinder. Außerdem konnten sich die Gäste bei einem Wikinger-Kochkurs und diversen Workshops betätigen und die Studios besichtigen. Wer eher nach Infos zu "Mara" oder schlicht nach Unterhaltung lechzte, hatte auf der Hauptbühne die Chance, Cast, Crew und Gästen zuzuhören.


Mit viel Liebe zum Detail wurden die bumm-film-Räume zu Eventräumen. Und darin waren am Ende nicht nur zahlreiche Besucher, sondern auch viele prominente Gäste zu sehen, zu treffen und zu sprechen. Neben Tommy Krappweis selbst waren weitere Schauspieler vor Ort. Eva Habermann erzählte auf der Bühne genauso unterhaltsam wie informativ von ihrer Rolle als Sigyn und plauderte mit dem Regisseur aus dem Nähkästchen. Höhepunkt: Tommy Krappweis plauderte zusammen mit seinem Ausstatter Albert Jupé und dem Kameramann Stephan Schuh über den Dreh - derart verrückte Einblicke kann kein DVD-Making-of bieten ("Laut Albert waren es 250 Lkw mit Vulkangestein, und ich weiß bis heute nicht, ob das stimmt. Das Schlimme ist - es wäre ihm zuzutrauen!"). Abschließend trieben Bernhard Hoëcker und Krappweis im Duett dem Publikum vor Lachen die Tränen in die Augen.


Für musikalische Unterhaltung sorgte die Band Schandmaul, die drei Lieder zum Soundtrack des Filmes beitrug (und mit dem zugehörigen Album kürzlich Goldstatus erlangte). Etwas kleiner und atmosphärischer ging es tags darauf zu beim abendlichen Lagerfeuerkonzert: Dort trafen Gesang, Percussion und Gitarre von Schandmaul auf Krappweis' Band Harpo Speaks. Zu Gast war außerdem die Okulelenspielerin und Sängerin Bina Bianca, die sich sonst vor allem auf YouTube bewegt. Bei diesem gezwungenermaßen improvisierten Zusammenspiel wurde noch einmal deutlich, wie besonders dieses Event war: nicht steril und auf Hochglanz getrimmt, sondern hautnah an den Machern. Die Promis mischten sich unter die Zuschauer, jeder konnte mit jedem reden, trinken, essen, Spaß haben.


In einem solchen Gespräch versuchte sich Tommy Krappweis auch an einer Erklärung für die geringen Besucherzahlen des Filmes. Der Wunsch nach einem größeren Marketing-Budget sei allgegenwärtig. Das größere Problem sei jedoch, dass ein FSK-6-Film, also ein Familienfilm, in Deutschland automatisch zum Kinderfilm werde. Nicht etwa wie bei Pixars Familienfilmen in den USA, die stets für ein breites Publikum ausgewertet werden. Dementsprechend tauchen sowohl die Trailer am Ende im falschen Milieu auf, wie auch der Film selbst - er lief fast ausschließlich im Nachmittagsprogramm. Und dann sei da noch ein gewisser Unglaube zu spüren, wenn man Kommentare liest wie: "Fantasy können wir Deutschen nicht, das sollten wir den Amerikanern überlassen!"


Fraglos schade, dass es zum "Flop" gekommen ist: Nicht nur dem Event merkte man literweise Herzblut an, das Krappweis in jedes Detail steckt, sondern auch dem vortrefflich gelungenen Film selbst, der mit der richtigen Vermarktung sicher noch viele weitere Film- und Fantasy-Freunde begeistert hätte. Und was ist mit den restlichen beiden Teilen der Romantrilogie? Ob es eine Verfilmung geben wird, hänge maßgeblich vom Erfolg der Heimkinoauswertung ab, verriet Krappweis.


Martin Heller

Trailer

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